Passend zur aktuellen Werbekampagne HEUTE SCHON GESTAUNT? auf den saarländischen Straßen haben wir ein paar Informationen zu den ausgewählten Meisterwerken zusammengestellt.

HEUTE SCHON GESTAUNT? in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums…

Franz Marc, Blaues Pferdchen, Kinderbild, 1912

Etwas unbeholfen und scheu steht das blaue Pferdchen vor einem farbgewaltigen Hintergrund und scheint sich noch nicht so recht in dieser Landschaft zurechtzufinden. Was es mit diesem jungen Pferdchen auf sich hat, erklärt die Bildinschrift am oberen Bildrand. Dort hat Franz Marc die Worte Dem l.[ieben] Waltherchen Macke platziert, dem er das Bild 1912 widmete. Besagtes Waltherchen ist der 1910 geborene Sohn August Mackes und zugleich das Patenkind Franz Marcs. Dass der Künstler sich hier für die Darstellung eines blauen Pferdes entschieden hat, kann kein Zufall sein, immerhin sind August Macke und Franz Marc die zentralen Gestalten der 1911 gegründeten expressionistischen Künstlergruppe des Blauen Reiters. Das Blaue Pferdchen ist demnach in vielerlei Hinsicht symbolträchtig und zählt zu den Ikonen des Saarlandmuseums.

Max Slevogt, Tiger im Zoo, 1901

Zum Greifen nah und doch so fern erscheint der Landschaftsausblick im Hintergrund von Max Slevogts Gemälde Tiger im Zoo. Während die Felsenlandschaft in sommerlicher Farbenpracht erstrahlt und den Eindruck von Weite und Freiheit vermittelt, vermag der im Zentrum stehende Tiger von dieser Freiheit nur zu träumen. Die majestätische Größe der Raubkatze wirkt beinahe wie eine Schranke zwischen dem Betrachter und der verlockenden Landschaft und zeigt die Isolation des Tigers, der, von Gittern umringt, seine ewigen Kreise zu ziehen scheint.
Slevogt fertigte das Bild 1901 im Rahmen eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Frankfurt an. Aufgrund persönlicher Kontakte bot sich dem Künstler die seltene Gelegenheit, Zugang zu den nicht öffentlichen Bereichen des Frankfurter Zoos zu erhalten. Dies führte zu einer Serie von Gemälden, Zeichnungen und Pastellen, die einen Einblick in den Zoo gewähren und das Zoo-Leben aus einer besonderen Perspektive illustrieren. Zugleich setzt Slevogt hier seine bereits einige Jahre vorher begonnene Freiluftmalerei und die damit verbundene Orientierung an den französischen Impressionisten fort.

 

HEUTE SCHON GESTAUNT? in der Alten Sammlung des Saarlandmuseums…

Johann Jakob Samhammer, Allegorie zur Genesung des Erbprinzen Heinrich von Nassau-Saarbrücken (1769-1797), um 1772 /1778

Alle Augen sind auf den jungen Erbprinzen gerichtet, der am rechten Bildrand auf dem Bett sitzt und die Hände nach seinen Eltern ausstreckt. Sein Nachtgewand und die auf dem Boden stehenden Kinderschuhe deuten bereits an, dass sich Prinz Heinrich hier in einer Phase der Erholung befindet. Und tatsächlich hält der Maler Jakob Samhammer in seinem Gemälde den Moment nach der Pockenimpfung des Kindes fest. Dass diese Impfung erfolgreich verlief, deuten die warmherzig lächelnden Gesichter der im Bildzentrum stehenden Eltern an, die sich erleichtert über die augenscheinliche Genesung ihres Sohnes zeigen.
Neben dem Fürstenehepaar und dessen Sohn setzt der Künstler zugleich zwei allegorische Figuren ins Bild und stellt diese dem jungen Prinz flankierend zur Seite: Rechts eine Frau mit einem Anker, als Symbol der göttlichen Hilfe und der Hoffnung in dieser schwierigen Zeit und links eine Frau mit einem Speer als Allegorie der Weisheit. Für die erfolgreiche Impfung war hier also die Weisheit der Wissenschaft und die Hoffnung auf Gottes Hilfe vonnöten gewesen.

Saargegend, Ansicht des Saarbrücker Schlosses, nach 1760

Eingebettet in die Weite der Landschaft, thront die imposante Fürstenresidenz im Zentrum des Gemäldes und hebt sich aufgrund der hellen Fassade markant von der Umgebung ab. Die Residenz wurde von Friedrich Joachim Stengel in den Jahren von 1739 bis 1748 vollständig neu errichtet und diente dem Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken als Wohnsitz. Der Bau besticht durch seine harmonische Symmetrie, die sich sowohl in der Residenz selbst als auch in den vorgelagerten Balustraden zeigt. Über die mit Gittern und Pavillons ausgestattete äußere Befestigung gelangt man in den Ehrenhof, an den sich das Corps de Logis, der Wohntrakt, anschließt und der wiederum von einer niedrigen Balustrade von der Stadt abgegrenzt wird. Das Hauptstück des Corps de Logis bildet der erhöhte, dreiachsige Mittelpavillon im Zentrum des Schlosses. Hier befand sich einst der über zwei Geschosse verlaufende Paradesaal, der für Festveranstaltungen genutzt wurde. Die Imposanz des Gebäudes, die von den Besuchern heute noch nachvollzogen werden kann, verdeutlicht der Künstler durch das Einbeziehen einzelner Figuren, die er zur Veranschaulichung der Größenmaßstäbe im Schlosshof platziert.

 

HEUTE SCHON GESTAUNT? in der Römische Villa in Nennig…

Großes Gladiatorenmosaik, 3. Jh. n. Chr.

Dass man für einen Gladiatorenkampf nicht unbedingt bis nach Rom reisen muss, beweist die Römische Villa Nennig mit ihrem prachtvollen Mosaikboden aus dem 3. Jahrhundert nach Christus. 1852 entdeckte ein Landwirt an ebenjener Stelle einzelne Teile des Mosaiks und lenkte das Interesse auf diesen Zufallsfund. In anschließenden Grabungen förderten Archäologen weitere Teile des Mosaiks zutage und legten letztlich 3 Mio. Steinchen auf einer Fläche von 160 qm frei. Die Monumentalität und der Erhaltungszustand des Mosaiks am Originalort machen dieses Werk zu einem der bedeutendsten Beispiele römischer Kunst nördlich der Alpen. Leuchtend bunte Steine geben nicht nur Zeugnis von der Kunstfertigkeit der Römer, sondern bieten mit ihren Motiven einen Einblick in deren Kultur. Dargestellt sind lebendige Szenen aus dem römischen Amphitheater: blutige Tierhatzen, Musikanten und Schaukämpfer. Das zentrale Bildfeld zeigt als Höhepunkt den Kampf zweier Gladiatoren.

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