Wiedereröffnung Moderne Galerie

„Wir haben jetzt die Chance, das Museum als Ganzes neu zu denken.“

Am 18. November 2017 ist es soweit: Die vergrößerte Moderne Galerie des Saarlandmuseums wird wiedereröffnet und die Blicke der Öffentlichkeit werden wieder auf die Schätze des Hauses gelenkt – nicht von ungefähr zählt es zu den bedeutenden Museumsarchitekturen der Nachkriegszeit, die Sammlung klassischer Moderne gehört zu den hochkarätigsten in Deutschland.

Mit  ihrem Erweiterungsbau gewinnt die Moderne Galerie ein reiches Spektrum musealer Möglichkeiten hinzu. Neben rund 1.500 m² zusätzlicher Ausstellungsfläche und Sälen mit eindrucksvollen Dimensionen erwartet die Gäste künftig auch ein vergrößertes Bistro mit integriertem Museumsshop. Neue Depots und eine neue Restaurierungswerkstatt ermöglichen dem Museum den notwendigen Anschluss an die internationalen Standards.

Seit 2013 arbeiten die Architekten Kuehn Malvezzi in Planungsgemeinschaft mit dem Künstler Michael Riedel und bbz Landschaftsarchitekten an der Erweiterung der Modernen Galerie.

Gemeinsam mit Ihnen freuen wir uns auf die Wiedereröffnung, den Erweiterungsbau und die dazugehörigen Festlichkeiten! Ab jetzt wird Sie unser Newsletter regelmäßig über die zukünftigen Aktivitäten informieren.

Alles, was man wissen muss. Die zehn wichtigen News zur Wiedereröffnung

1. Von Max Liebermann über Franz Marc bis K. O. Götz. Von nun an sind die Meisterwerke unserer klassischen Sammlung wieder im Hauptgebäude zu sehen.

2. Die „Große Gaia“ von Matschinsky-Denninghoff ist wieder vor der Modernen Galerie aufgestellt.

3. Die Architekten des nun fertiggestellten Erweiterungsbaus sind das Berliner Büro Kühn Malvezzi mit seiner ausgewiesenen Kompetenz für Museumsbauten und deren Ausgestaltung.

4. Der in Frankfurt lebende und in Leipzig dozierende Künstler Michael Riedel hat den Außenraum mit einer rund 4.000 m² großen Arbeit gestaltet.

5. Die amerikanische Künstlerin Pae White hat exklusiv für die Wiedereröffnung eine spektakuläre Installation geschaffen - ihre bisher größte Arbeit in Europa.

6.  Wir setzen im Museum einen neuen Schwerpunkt: die zeitgenössische Kunst. So sind auch unsere wichtigen Neuerwerbungen der letzten Jahre zu sehen – von Michel Majerus bis zu Olav Christopher Jenssen.

7. Der bedeutende Fotorealist Franz Gertsch hat aus Anlass der Eröffnung einen Künstlerraum für die Moderne Galerie geschaffen.

8. Von jetzt an wird auch das Vermittlungsprogramm wieder aufgenommen.

9. Großes öffentliches Eröffnungsfest am 18.11. ab 11 Uhr. Alle sind willkommen!

10. Wer dieses Ereignis verpasst: Noch bis Ende des Jahres freier Eintritt – dies verdanken wir der Unterstützung durch die Stiftung der Metall- und Elektroindustrie Saar.

3 Fragen an ...

... Dr. Roland Mönig, Direktor des Saarlandmuseums und somit verantwortlich für die Durchführung des ambitionierten Bauprojekt

Mit der Wiedereröffnung der vergrößerten Modernen Galerie wird ein langjähriges Projekt nun zu einem sehr vielversprechenden Ende geführt. Worauf darf man sich am meisten freuen - auf die Wiederentdeckung des exzellenten Sammlungsbestandes, auf die Architektur des Erweiterungsbaus als Ort für spannende Präsentationen zeitgenössischer Kunst? Oder auf den Zugewinn im Stadtraum, der die Idee des öffentlichen Parks rund um den attraktiven Museumsbau und direkt an der Saar wiederbelebt und der einen neuen Raum der Begegnung öffnet?

Alles greift im Grunde ineinander. Rund vier Jahrzehnte hat man über die Erweiterung der Modernen Galerie diskutiert, hat wiederholt neue Planungen vorgelegt. Immer war klar, dass es eine Erweiterung geben musste, weil die Sammlung des Museums schon bei der Eröffnung des letzten Bauabschnitts der Modernen Galerie 1978 zu groß und zu komplex für das Gebäude war – ein Gebäude übrigens, das aus gutem Grund zu den Ikonen der Museumsarchitektur in den ersten Jahrzehnen nach dem Krieg zählt. Der St. Ingberter Architekt Hanns Schönecker hat ein Haus entworfen, das aus einer Folge einfacher Pavillons besteht und sich dienend der Kunst unterordnet, aber ein klares architektonisches Statement abgibt: Es hat die Strenge einer minimalistischen Skulptur. 

Dank der Erweiterung können wir endlich die ganze Breite und Tiefe der Sammlung sehen lassen: von den Highlights der Klassischen Moderne, den bedeutenden Beständen insbesondere des Impressionismus und Expressionismus, über École de Paris und Informel bis in die Gegenwart. Im neuen Flügel der Modernen Galerie erwartet uns ein spannungs- und abwechslungsreiches neues Raumgefüge, das die Formate und die Medien der zeitgenössischen Kunst auf ideale Weise zur Geltung und zur Entfaltung kommen lässt. Zugleich gewinnen wir größere Freiheiten im Bestandsbau, so dass wir mehr und andere Aspekte der scheinbar vertrauten Sammlung zeigen können. So wollen wir in Zukunft intensiver mit den reichen grafischen und fotografischen Beständen arbeiten. Wir haben jetzt die Chance, das Museum als Ganzes neu zu denken.

Dank des ungewöhnlichen Konzepts, das die Architekten Kuehn Malvezzi zusammen mit dem Künstler Michael Riedel entwickelt haben, wird die Moderne Galerie sozusagen im Zentrum eines neuen Stadtquartiers stehen – eines Areals, in dem Kunst und Natur ineinandergreifen und neue Räume der Begegnung entstehen. An der Nordwestseite des Museums schafft ein großzügiger Platz eine direkte und einladende Verbindung zur Innenstadt. Damit nicht genug, verknüpft dieser Platz die Moderne Galerie mit ihrem direkten Nachbarn, der Hochschule für Musik Saar. Wir bekommen also eine Art Campus, einen Ort, an dem nicht nur Menschen, sondern auch Kunst und Musik miteinander in Austausch treten können.

Die Architekten Kuehn Malvezzi arbeiten mit dem Künstler Michael Riedel zusammen, das neue Haus wird so im Grunde eine große Skulptur. Wie darf man sich so eine einmalige Zusammenarbeit mit Künstler und Architekt konkret vorstellen?

Kuehn Malvezzi und Michael Riedel haben das Bauprojekt 2013 übernommen, und sie reflektieren in ihrem Konzept sehr offen und zugleich zukunftsorientiert die kontroverse Planungs- und Baugeschichte der Erweiterung der Modernen Galerie, die 2008 mit der Planung von twoo Architekten begann. Sie haben die Situation insgesamt neu gedeutet und so das Vorhaben aus der Sackgasse geführt, in die es geraten war. Entscheidend dabei ist, dass sie den Freiflächen zwischen den Baukörpern besondere Aufmerksamkeit schenken. So lebt der zentrale Entwurfsgedanke wieder auf, der Hanns Schönecker leitete, als er in den 1960er Jahren die Moderne Galerie schuf: das Museum als skulpturaler Körper, der mit Natur und Landschaft kommuniziert.

Die Pointe des innovativen Ansatzes, der jetzt Wirklichkeit wird, ist ein von Michael Riedel entworfenes Kunstwerk von immensen Ausmaßen (ca. 4.000 m²). Es umgibt als weit ausgreifende Platzanlage die Moderne Galerie und rhythmisiert zugleich die Fassaden des Erweiterungsbaus. Realisiert wird es aus Kunststeinplatten im Regelmaß von 4x4 m, die mit einem grafisch bearbeiteten Text bedruckt sind – einem rhythmisierten Wortteppich, aus dem immer wieder das vergrößert dargestellte Wort „Museum“ hervorsticht.

Die visuelle Einheit dieser faszinierenden Arbeit zu wahren, die einerseits Teil der Architektur und andererseits Teil der Freianlagen ist, bedeutete eine enorme Herausforderung. Um Riedels Kunstwerk logisch in die stadt- und landschaftsräumliche Situation einzubinden, war auch ein Büro für Landschafts- und Freianlagenplanung, bbz landschaftsarchitekten, Teil des Projektteams. Bei der Erweiterung der Modernen Galerie ergänzen sich also Professionen, die man normalerweise als streng voneinander getrennt betrachtet. Entwurf und Umsetzung wurden im intensiven Dialog der unterschiedlichen Disziplinen erarbeitet.

Neben dem Centre Pompidou in Metz und dem Mudam in Luxemburg: Mit dem neuen Museumsbau in Saarbrücken schliesst sich der Kreis - die Region im Dreiländereck hat drei wegweisende Museumsarchitekten vorzuweisen. Wie schätzen Sie die Bedeutung der Region als Kunstregion ein? Und was empfehlen Sie dem Besucher – wie entdeckt man die (Kunst-)Stadt Saarbrücken am besten? 

Unsere Region liegt in der Mitte Europas, und die Kolleginnen und Kollegen in den befreundeten Häusern wissen das ebenso zu schätzen wie wir hier in Saarbrücken. Wir alle profitieren von der Aufmerksamkeit und von den Gästen aus den jeweiligen Nachbarländern. Und zusammen gesehen, als Cluster, sind insbesondere die Museen in Metz, Luxemburg und Saarbrücken aufgrund der jeweils unterschiedlichen Ausrichtung unschlagbar stark.

Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums beherbergt die bedeutendste und umfangreichste Sammlung zur Kunst der Moderne in etwa 150 km Umkreis – eine Sammlung, die noch immer stetig wächst und eine Basis für attraktive Sonderschauen bietet. Das Centre Pompidou-Metz, entworfen von Pritzker-Preisträger Shigeru Ban, punktet mit starken Ausstellungen oft interdisziplinären, manchmal ausgesprochen experimentellen Charakters und kann sich dabei auf den Fundus des Mutterhauses in Paris stützen. Das MUDAM in Luxemburg, geplant von I.M. Pei, hat sich in den zehn Jahren seines Bestehens mit einem so klaren wie kompromisslosen Programm als eine hoch interessante Adresse für zeitgenössische Kunst etabliert. Abgesehen davon, dass wir einander durch unsere Unterschiedlichkeit und Unverwechselbarkeit gegenseitig stärken, arbeiten wir aber auch aktiv zusammen. Die Ausstellung „Entre deux horizons“, die 2016 Jahr 230 Hauptwerke der Modernen Galerie zu einer Themenschau über die künstlerischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich in den letzten rund 150 Jahren vereinigte, war in dieser Hinsicht ein Pilotprojekt. Weitere, ganz anders gelagerte Formen der Kooperation werden folgen.

Saarbrücken hat als Landeshauptstadt eine ausgesprochen facettenreiche Kunst- und Kulturlandschaft. Dicht beieinander – fast alles ist fußläufig zu erreichen – finden Sie außer den Museen der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, dem Saarlandmuseum mit Moderner Galerie und Alter Sammlung sowie dem Museum für Vor- und Frühgeschichte, außerdem die Stadtgalerie Saarbrücken mit ihrem profilierten Ausstellungsprogramm, das Künstlerhaus Saarbrücken, das Kulturzentrum KuBa und die Hochschule der Bildenden Künste Saar. Zu entdecken sind überdies imponierende Baudenkmäler des Barock wie das Schloss mit seinem von Gottfried Böhm erneuerten Mittelrisaliten oder die Ludwigskirche, die mit der umgebenden Platzarchitektur ein reizvolles Ensemble bildet. Und auch das Saarländische Staatstheater, ein Drei-Sparten-Haus, das zudem eine Experimental-Bühne unterhält, und die Hochschule für Musik Saar mit ihrem tollen Konzertprogramm lohnen den Besuch. Und das alles ist eingebettet in eine wunderbare Gastronomie-Szene, die kaum Wünsche offen lässt. Saarbrücken ist eine Reise wert!