Erweiterungsbau des Saarlandmuseums

Architektur
  • Moderne Galerie, 1970er Jahre
  • Planung zur Erweiterung der Modernen Galerie von Hanns Schönecker, um 1980

Die Moderne Galerie

Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums zählt zu den herausragenden Museumsbauten der frühen Bundesrepublik. Entworfen von dem St. Ingberter Architekten Hanns Schönecker und in drei Bauabschnitten zwischen 1965 und 1976 realisiert, genießt sie heute aufgrund ihres hohen architektur-geschichtlichen Ranges Denkmalschutz.

Die Moderne Galerie zu erweitern, ist ein Projekt, das schon der Gründungsdirektor des Museums, Rudolf Bornschein, ins Auge gefasst hatte. Es ergibt sich sowohl aus den Bedürfnissen der stetig wachsenden Sammlung als auch aus der sich verändernden künstlerischen Praxis, die nach Präsentationsmöglichkeiten verlangt, die das bestehende Gebäude nicht bieten kann. Der Erweiterungsbau wird das Museumserlebnis des Besuchers bereichern und seine Begegnung mit der Kunst intensivieren.

Zugleich werden mit dem Erweiterungsbau die Voraussetzungen für die Kernaufgaben des Museums: die Bewahrung, Erforschung, Präsentation und Vermittlung des im Saarlandmuseum bewahrten Kulturguts massiv verbessert. Hochrangig ausgestattete Depot-, Atelier- und Werkstatträume ermöglichen eine museale Bearbeitung der Sammlungsbestände auf der Höhe aktueller Standards. Mit der Baumaßnahme geht eine Optimierung der konservatorischen und sicherheitstechnischen Anforderungen im Gesamtgebäude einher.

Der Erweiterungsbau

Mit ihrem Erweiterungsbau gewinnt die Moderne Galerie des Saarlandmuseums ein reiches Spektrum musealer Möglichkeiten hinzu. Neben rund 1.500 m² zusätzlicher Ausstellungsfläche und Sälen mit eindrucksvollen Dimensionen erwartet die Gäste künftig auch ein vergrößertes Café / Bistro mit integriertem Museumsshop. Neue Depots und eine neue Restaurierungswerkstatt ermöglichen dem Museum den notwendigen Anschluss an die internationalen Standards.

Seit 2013 arbeiten die Architekten Kuehn Malvezzi in Planungsgemeinschaft mit dem Künstler Michael Riedel und bbz Landschaftsarchitekten an der Erweiterung der Modernen Galerie. Das Konzept reflektiert die kontroverse Planungs- und Baugeschichte der Erweiterung, die 2008 mit der Planung von twoo architekten begann.

  • Blick auf die Baustelle, Frühjahr 2011
  • Schematischer Lageplan und Konzept der Außenanlagen © Kuehn Malvezzi/Michael Riedel

Die Planungen von Kuehn Malvezzi Architekten

Kuehn Malvezzi und Michael Riedel unterziehen die Moderne Galerie einer Neubetrachtung, indem sie die Freiflächen zwischen den Baukörpern zusammen mit den Fassaden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken. Über die Stärkung der Freiflächen wird das Museum mit der Stadt verschränkt. Zugleich lebt der zentrale Entwurfsgedanke wieder auf, der Hanns Schönecker leitete, als er in den 1960er Jahren die Moderne Galerie schuf: das Museum als skulpturaler Körper, der mit Natur und Landschaft kommuniziert.

Fassade und Außenraum

Die Pointe des innovativen Konzepts ist ein von Michael Riedel entworfenes Kunstwerk von immensen Ausmaßen (ca. 4.000 m²), das als weit ausgreifende Platzanlage die Moderne Galerie umgibt und zugleich die Fassaden des Erweiterungsbaus rhythmisiert. Das Museum und die benachbarte Hochschule für Musik Saar werden zu einem Campus verbunden, ihr gemeinsames Areal wird als Ort der Begegnung geöffnet.

Der Innenraum

Der Entwurf von Kuehn Malvezzi hält an dem ursprünglichen Eingang im Foyer-Pavillon fest, dem Zentrum und Bindeglied von Schöneckers Pavillon-Ensemble, dem der Erweiterungsbau sich als dritter Flügel einfügt. In der Tiefe des neu geschaffenen Platzes mit dem Café / Bistro und an der Schnittstelle zwischen Bestands- und Erweiterungsbau betritt der Besucher den großzügigen Empfangsraum, von dem aus er sich alle Bereiche des Museums erschließen kann.

Die Ausstellungsräume des Erweiterungsbaus sind in einem spiralförmig verlaufenden Parcours auf vier Geschossen angeordnet. Reine Kunstlichträume wechseln sich ab mit Sälen, die teils atemberaubende Ausblicke auf die Stadt und den Fluss bieten. Im Zentrum des Gebäudes liegt das Atrium mit einer Höhe von 14 Metern. Von allen Geschossen aus kann es über Balkone eingesehen werden. Ein perfekter Ort für die Präsentation außergewöhnlicher Werke der zeitgenössischen Kunst.

Die Wiedereröffnung der Modernen Galerie ist für Herbst 2017 geplant.

„Das Projekt zeigt, dass Architektur mehr sein kann als eine formale Übung – sie kann ein Weg sein, das bereits Vorhandene umzudeuten und einer neuen Lesart zu öffnen.“ Wilfried Kuehn

Förderer

Die Errichtung des Erweiterungsbaus der Modernen Galerie des Saarlandmuseums wird gefördert durch: